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Stiftungen und ihre Geschichte

Hinter vielen Stiftungen verbirgt sich eine Geschichte von Menschen, ihren Visionen und Idealen. Herr Prof. Dr. Naujoks, emeritierter Professor aus Frankfurt, erforscht und dokumentiert den Hintergrund von Stiftungsgründungen. Er hat uns dankenswerter Weise einen Auszug aus seinem Manuskript zur Verfügung gestellt, den wir Ihnen hier gerne vorstellen möchten. Sie verkörpern die Idee des Stiftens, des Engagements für Andere, den Einsatz für Schützenswertes.

Wenn Sie ebenfalls Ihre Stiftungsgeschichte erzählen möchten und einen Beitrag zu Herrn Prof. Dr. Naujoks Arbeit leisten möchten, können Sie ihm über unser Schwarzes Brett eine entsprechende Notiz zukommen lassen.
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Aus alter Zeit

Ausführlich beschrieb der Frankfurter Arzt Dr. Johann Christian Senckenberg (1702 – 1772) am 10. November 1746 den Zweck der von ihm 17 Jahre später gegründeten Stiftung : „ Heute, am Sonntag, den 10. November 1746, abends 7 Uhr, habe ich im Hause meines Kollegen Le Cerf zum ersten Male mit diesem von meiner Stiftung gesprochen, die den Aerzten mein Haus mit allen ärztlichen Einrichtungen und einer bestimmten Summe Geldes übereignen soll mit dem Ziel einer Hebung des Medizinalwesens in meiner Vaterstadt. Ein Mitglied meiner Familie soll die Stiftung betreuen und nichts soll ohne seine Mitwirkung unternommen werden. Für diese Ueberwachung soll ihm eine Entschädigung gewährt werden. So soll den Armen geholfen werden, alle Teile der Medizinischen Wissenschaft gepflegt werden, und auch den Arztwitwen Hilfe geleistet werden.“ Er wollte damit seiner Vaterstadt danken, dass sie ihm durch Gewährung eines Stipendiums das Medizinstudium ermöglicht hatte und ihn auch sonst gefördert hatte. Als er am 18. August 1763 die Dr. Senckenbergische Stiftung gründete, hieß es in § 1: „ Die Hinfälligkeit dieses elenden zeitlichen Lebens, die offtmahlige schnelle Erledigung desselben, und die Liebe zu meinem Vaterland, aus deren Antrieb ich alle auswärtigen Vortheile hintangesetzt, und deme nach meinem geringen Vermögen mich gänzlich aufopfern will, sind diejenigen Beweggründe, welche mich bestimmet, demselben meine irdische gänzliche Habseligkeit, bey Ermangelung ehelicher Leibes-Erben, auf nachfolgende unwiderruflich Art und Weise zu widmen, und auf immerdar, ohne daß jemand an dieselbe den geringsten Anspruch machen solle, zu überlassen .“


Aus neuer Zeit

1993 schrieb der Frankfurter Stifter Alois Ammerschläger in einer ihm gewidmeten Publikation: „ Achtzig Jahre alt zu werden und gesund zu sein ist ein Glück, welches wenigen Menschen zuteil wird. Mein Leben ist von Schicksalsschlägen und Erfolg zugleich gekennzeichnet. Nach einer schweren Krankheit (ich war todkrank) gab es für mich ein Entweder- Oder. Durch Konsequenz bin ich wieder geheilt worden. Das ist für mich die wichtigste Voraussetzung gewesen, um wieder mit voller Kraft allen Anforderungen gerecht zu sein. Noch einige Jahre möchte ich dafür Sorge tragen, daß der derzeitige Stand des Unternehmens gefestigt und erweitert wird. Langfristig werde ich dafür sorgen, daß mein Lebenswerk weiter besteht und dass alles, was ich für die Menschen getan habe und noch leisten möchte, auch in ferner Zukunft Bestand hat. Dafür ist die „ Alois- Ammerschläger- Stiftung“, die ich 1988 ins Leben gerufen habe, auf einen aktuellen, gerechten Stand ergänzt und erweitert worden. Sie wird von Menschen meines Vertrauens geführt, die meine Intentionen sehr genau kennen und diese in meinem Sinne fortführen. Rückblickend kann ich feststellen, beinahe alles erreicht zu haben, was man in einem Menschenleben erreichen kann. Ein Leben lang gilt für mich immer das Leitwort: Glücklich der Mensch, der geben und helfen kann; arm der Mensch, der es könnte und nicht tut. Nur was man aufgibt- ist verloren!“

1996 hielt der Stifter Gerhard Klee eine Rede anlässlich der ersten Preisvergabe der Stiftung Familie Klee. Unter anderem sagte er: „ Ich bin 81 Jahre alt, in Berlin geboren, verlebte dort meine Kindheit, meine Berufsausbildung zum Ingenieur und die ersten zwei Jahre beruflicher Arbeit bei Telefunken. 1938 zog ich nach Frankfurt, weil ich als Entwicklungsingenieur zu arbeiten begann bei der Firma Hartmann & Braun, bekanntem Hersteller von Mess- und Regelgeräten. 1948 wechselte ich zu Samson AG, einer kleinen Firma von damals 183 Mitarbeitern, welche ebenfalls Mess- und Regelgeräte- wenn auch ganz anderer Art- herstellte. Dort übertrug man mir nach kurzer Zeit die Verantwortung für Entwicklung, Produktion und technischen Vertrieb der Firmenerzeugnisse und berief mich bald danach zum technischen Vorstandsmitglied. Dieser Bildungs- und Berufsweg umreißt das Schicksal eines Ingenieurs, der in seinem Leben viel Glück gehabt hat, auch bei der Entwicklung seiner beruflichen und wirtschaftlichen Verhältnisse und der in den letzten Jahren oder Tagen des Lebens etwas von diesem Glück weiterreichen möchte….. Bei der Stiftungsgründung hatte ich mir vorgenommen, das Grenzgebiet zwischen Medizin und Technik, das ich von Kindheit an …irgendwie zu fördern. Bei der Frage „wie fördern?“ sagten mir von den vielen Möglichkeiten besonders zwei zu: 1. Förderung durch Unterstützung von geeigneten, gut beschreibbaren Forschungsaufgaben, 2. Förderung durch finanzielle Zuwendungen an geeignete, vor allem überdurchschnittlich intelligente Menschen mit gutem Sozialverhalten, z.B. mit der Fähigkeit, Gemeinnutz vor Eigennutz zu stellen. Warum ich dieses letztere Verhaltensmuster dem ersteren vorziehe, ist rational nicht zu erklären. Es hat wohl mit meiner Erziehung zu tun, damit, daß meine Eltern vom Staat ein in den zwanziger Jahren seltenes Schülerstipendium erhielten, um mich auf eine höhere Schule schicken zu können, - damit , dass ich selbst bei meiner Berufsausbildung vom Staat unterstützt wurde, um nur einige mögliche Ursachen zu nennen.

In einem Interview berichtete der Stifter Klaus Tschira, der als Gründer der Klaus Tschira Stiftung ( KTS) 1999 den Stifterpreis des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen erhielt : „ Ich stamme aus einer eher ärmlichen Familie und konnte nur dank eines Stipendiums nach dem Honnefer Model studieren. All dies war mir anscheinend nur im Rahmen der freiheitlich demokratischen Grundordnung möglich. Mit meiner gemeinnützigen Stiftung versuche ich, die Dankesschuld ein wenig abzutragen. .. Ohne eine gesunde Volkswirtschaft, die sich auf blühende Natur- und Ingenieurwissenschaften stützt, können wir uns manches nicht nachhaltig leisten was vielen kulturbeflissenen Zeitgenossen als das einzig Wahre, Gute und Schöne gilt. Deshalb unterstütze ich mit meiner Stiftung vor allem die angewandte Informatik, die Naturwissenschaften und die Mathematik. Um Forschungsvorhaben der Stiftung auf diesem Gebiet zu verwirklichen, habe ich 1997 eigens ein Forschungsinstitut gegründet, das European Media Laboratory….In diesem Jahr hat die Stiftung erstmals Schüler und Schülerinnen mit Preisen belohnt, die die Faszination der Naturwissenschaften oder Mathematik mit Hilfe selbst gebastelter Software vermittelt haben.“ "


Aus jüngster Zeit

Zur Karl und Else Seifried- Stiftung äußert sich der Stifter, Karl Seifried, erfolgreicher Unternehmer, wie folgt: "Der ehemalige Test- und spätere Kriegspilot, der vor und im Krieg 3.181 Flugeinsätze hinter sich brachte, kam nach 9 1/2 Jahren Dienst in der Luftwaffe unbeschadet in seine Heimat zurück. Aus Anlaß seines 80.Geburtstages sagte er zu seiner Frau : " Für mein Glück, daß ich unbeschadet aus dem Krieg zurückkehrte, will ich helfen, wo Not groß ist." Er gründete die " 1. Karl und Else Seifried Stiftung". Sie dient der Forschung zur Entwicklung von Medikamenten zur Bekämpfung unheilbarer Krankheiten. Der Spruch, der mich seit meiner frühen Jugend begleitete " Tue Gutes und es kommt Gutes auf dich zurück", hat mich bis zu meinen alten Tagen begleitet. Wir hatten in unserem hohen Alter- meine Frau 81 und ich 85 Jahre, leider kinderlos, das große Glück, eine Tochter zu adoptieren. Ihre beispiellose Fürsorge bewahrt uns vor dem Schicksal, unsere alten Tage in einem Altersheim zu verbringen. Sie wohnt bei uns, steht Tag und Nacht zur Verfügung uns ist um unser ständiges Wohl bemüht.
Zu seinen Festtagsgästen aus Anlaß seines 80. Geburtstages sagte er:" Wenn Sie nun in diesem schönen Gebäude heute ( 15.Okt. 1994) unser Gast sind, sollen Sie wissen, wie war der Anfang und wie verliefen 80 Jahre Karl Seifried. Dieses Haus , ein Schmuckstück im Frankfurter Westend, haben wir uns härter als hart, unter Verzicht auf die Annehmlichkeiten des Lebens erarbeitet. Energie, Weitblick in die Zukunft, Durchsetzungsvermögen, Zielstrebigkeit, Mut zum Risiko, aber auch Glück, sehr ,sehr viel Glück, waren Voraussetzung für den Erfolg. Wir fühlen uns zu Dank verpflichtet".
Wir gründeten am 1.8.2000 die " 2. Karl und Else Seifried-Stiftung". Sie dient der Errichtung eines Kinderhauses des Deutschen Kinderschutzbundes Bezirksverband Frankfurt am Main. Das Haus soll der Betreuung misshandelter und sexuell missbrauchter Kinderm die dringender Hilfe bedürfen, dienen.
Wir gründeten am 1.9.2000 die " 3. Karl und Else Seifried-Stiftung". Die Stiftung dient der notwendigen Unterstützung bzw. Betreuung von kranken, misshandelten und missbrauchten Kindern sowie alten und schwer kranken Leuten, die infolge ihres körperlichen, geistigen oder seelischen Zustandes dringender Hilfe bedürfen und ihren Wohnsitz in seinem Geburtsort haben.
Wir gründeten am 1.10.2000 die " 4. Karl und Else Seifried-Stiftung". Die Stiftung wurde zu GUnsten des Clementine Kinderhospizals in Frankfurt am Main gegründet und dient der Betreuung neugeborener, auch kranker Kinder und Jugendlicher, die ärztliche Hilfe bedürfen, sowie der baulichen Umgestaltung des Krankenhauses.
Unsere Tochter ist die Vorsitzende aller Stiftungen und verwaltet dieselben. Lt. testamentarischer Verfügung ist sie beauftragt das Stiftungskapital aller drei Stiftungen nach unserem Tode erheblich aufzustocken.
In der Stiftungsverfassung wurde von dem Stifterehepaar festgelegt, dass die Stiftungsverwaltung ehrenamtlich geführt wird. Zustiftungen oder Spenden sind jederzeit willkommen."
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Information und Beratung: info@stiftung-hessen.de