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Wetzlar: Gewalt? Ist Mist.

Diebstähle, Anmache, gewalttätige Raufereien – im Freibad Domblick in Wetzlar spitzte sich die Situation Mitte der 90er Jahre immer mehr zu. Konfrontation war das prägende Element im Umgang von deutschen und ausländischen Jugendlichen, Integration ein Fremdwort. Rufe nach weiterem Ordnungspersonal wurden laut, um für alle Badegäste einen ungestörten Betrieb zu garantieren.

Eine weitere Kontrollinstanz kann nicht die Lösung des Problems sein, erkannten die Verantwortlichen. Wir müssen ein positives Miteinander aktiv und gemeinsam entwickeln. Nur so lässt sich die Situation nachhaltig ändern.

Die Idee zu einem Streitschlichterprojekt mit ehrenamtlichen Mitarbeitern entstand. Die Situation im Schwimmbad als Spiegelbild der Situation in der Stadt diente als Arbeitsfeld für ein Modellprojekt. „Grenzen setzen und Räume öffnen“, unter diesem Motto wurden Kooperationspartner gesucht und gefunden. Der Bogen spannte sich von engagierten Privatleuten über die Polizei und die Kirchen , das Jugendforum, Verbände, Parteien, Geschäftsleute und die Energie- und Wassergesellschaft enwag, die das Freibad betreibt.

Der innovative Charakter, ein hoher Mobilisierungseffekt und die gelungene Verbindung zwischen traditionellem und neuem Ehrenamt kennzeichnen das so genannte Streetworker-Projekt, das mittlerweile im siebten Jahr besteht. Mit Hilfe von Schulen und Einrichtungen der Jugendhilfe werden Freiwillige aus verschiedenen ethnischen Gruppen als Streitschlichter geworben. Bei einem Schulungswochenende lernen die ehrenamtlichen Streetworker die theoretischen Grundlagen und in Rollenspielen den Umgang mit Konfliktsituationen. Durch die gemeinsame Zeit entwickelt sich außerdem Verständnis füreinander und ein guter Teamgeist, der auch die Arbeit im Freibad trägt.

Denn in der Gruppe der Streetworker, die während der Sommerferien im Freibad ehrenamtlich ihren Dienst versehen, geht es multi-kulti zu. Fast 30 Bosnier, Jugoslawen, Türken, Griechen, Deutsche und Aussiedler arbeiten nachmittags jeweils in Dreier-Teams zusammen. Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen, ist der Ansatz. Deshalb knüpfen die Streetworker Kontakte zu den Jugendlichen im Schwimmbad, reden mit ihnen, um aufkeimende Gewaltsituationen bereits im Anfang zu verhindern, verleihen Spiel- und Sportgeräte oder initiieren gemeinsame Spiele wie Volleyball oder Fußball. Kletterwand, Tischfußball und Basketballfeld gehen ebenfalls auf die Initiative der Streetworker zurück. Der Ansatz der ehrenamtlichen Streitschlichtung wird jetzt auch in die Stadtteile übertragen. Gemischt-ethnische Teams gestalten in ihrem Stadtbezirk Spielaktionen mit Kindern und Jugendlichen und tragen so zum spannungsfreien multikulturellen Miteinander bei.

Auch über die Grenzen der Stadt hinaus hat sich der Erfolg des Projekts herumgesprochen: Andere Kommunen, die vor ähnlichen Problemen stehen, überlegen, ähnliches in ihrer Region aufzuziehen. Öffentliche Anerkennung fand das Wetzlarer Projekt auch schon auf Bundesebene. Im Internationalen Jahr der Freiwilligen 2001belegten die ehrenamtlichen Mitarbeiter den ersten Platz beim Heinz-Westphal-Preis, den das damalige Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend verlieh.

Wetzlar Wohnbevölkerung: 53.459

Kontakt und weitere Informationen zu dieser Initiative:

Peter Matzke, Koordinationsbüro für Soziales und Jugend

Ernst-Leitz-Straße 30, 35573 Wetzlar, Tel.: 06441 – 99-602 E-Mail: peter.matzke@wetzlar.de
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